[schweiz für du und ich]
Lydia am 31. Dezember 2003
“Irgendwie ist mir komisch.”
“Hast du genug getrunken?”
“Nicht viel genug.”
Soviel zum Thema: Deutsch für Du und ich.
Inzwischen stellt das Verstehen der schweizer-deutschen Sprache kein Problem mehr für mich dar - sofern es sich nicht um Gruppengespräche handelt. Das “von den Lippen ablesen” gehört der Vergangenheit an und im Normalfall besteht nur noch bei wenigen Wörtern oder Ausdrücken Nachfragebedarf meinerseits.
Generell ist es immer einen Tick schwieriger, eine Sprache verstehen zu lernen, ohne sie gleichzeitig auch sprechen zu erlernen, wobei das “Sprechenerlernen”, was Schweizerdeutsch angeht, für einen ausgewachsenen “Hochdeutschler” fast ein Ding der Unmöglichkeit ist. Ausnahmen bestätigen zwar die Regel, aber ohne mich - schönen Dank auch. Welcher Nicht-Schweizer weiss schon, dass der Autoscooter hier ‘Putschibahn’ genannt wird oder dass das Gigampfirössli, das dich im ersten Moment aufschrecken und an böse Monster denken lässt, nichts anderes als ein harmloses Schaukelpferdchen ist? Eben!
Immer wieder stellen Deutsche, nachdem sie sich mit einem Schweizer unterhalten haben, erfreut fest, wie erstaunlich einfach die schweizerdeutsche Sprache doch zu verstehen sei. Was sie dabei jedoch nicht bedenken: Es handelt sich üblicherweise nicht etwa um Schweizerdeutsch, sondern lediglich um ein mit Schweizer Akzent gesprochenes Hochdeutsch [siehe Beispiel Schweizer Grenzbeamte Lörrach-Basel]. Anderenfalls würden die meisten - mit Ausnahme von Harald Schmidt - dumm aus der Wäsche gucken.
In den seltensten Fällen wirst du im deutschen Teil der Schweiz als Deutscher oder Österreicher auf einen Schweizer treffen, der sich dir sprachlich nicht automatisch anpassen wird. Es ist nicht unüblich, dass ein Schweizer in seiner Freizeit Sprachkurse belegt, um sich den Touristen seines Landes sprachlich anpassen zu können - und natürlich auch, um während seiner eigenen Auslandsbesuche mit der jeweiligen Fremdsprache glänzen zu können. Ich selbst wehre mich nach wie vor, wenn ein Schweizer Hochdeutsch mit mir redet - schliesslich habe ich mich erstens dem Land anzupassen, in dem ich wohne und zweitens ist learning by listening meine halbe Miete.
Einen meiner Lieblingsausdrücke aus dem Mund eines Schweizers besteht aus zwei Wörtern und klingt in den Ohren schlicht und einfach: “Weiss nöööd!”. Die Ausnahme bildet DJ Bobo [der wirklich sympathisch ist, wenn er nicht singt], bei dem es gesprochen “Weiss niiit!” klingt - schliesslich sind die Aargauer schon immer… es bitzeli anders als die… Schweizer.
